Buch · Poolsing Verlag

Die Gruppe SPUR. Politische Manifeste einer Künstlergruppe

Die Gruppe SPUR. Politische Manifeste einer Künstlergruppe

„Wir wollen nur eins: Den Kitsch verbreiten.“ – Warum vier Münchner Maler 1958 die Kunst zum Misthaufen erklärten.

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg formierten sich in ganz Europa Künstlergruppen, die mit ästhetischen Mitteln gesellschaftliche Verkrustungen aufbrechen wollten – jenseits der sich verhärtenden Blöcke in Ost und West. In München traten 1957 Heimrad Prem, Helmut Sturm, Hans-Peter Zimmer und Lothar Fischer als Gruppe SPUR an: gegen die „Keine Experimente“-Stille der Adenauer-Jahre und gegen ein Informel, das ihnen als unverbindliche Weltsprache der Abstraktion erschien.

Das Buch untersucht die politischen Manifeste der Gruppe – vom Manifest des Jahres 1958 mit seiner Forderung nach Kitsch, Dreck und Urschlamm bis zum Januar-Manifest von 1961, das die bayerische „Gaudi“ zur revolutionären Methode erklärte – und ihre enge, konfliktreiche Verbindung zur Situationistischen Internationale, deren deutsche Sektion die SPUR einige Jahre war. Dazu gehören die juristischen Auseinandersetzungen bis zum Vorwurf der Gotteslästerung, die ihre Publikationen auslösten.

Gescheitert ist die Gruppe an ihrem Versuch, ganz in den internationalen Strömungen aufzugehen. Gerade darin aber zeigt sie, wie weit die Bundesrepublik bis in die Mitte der sechziger Jahre davon entfernt war, Neuerungen auch nur zu diskutieren – Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit, Kritik an Staat und Kirche. Die Lebenswege der Hauptakteure und ihr Einfluss auf spätere Kollektive schließen den Band.

Ein Münchner Atelier der späten fünfziger Jahre
Ein frisch gedrucktes Blatt
Vier Maler mit gerollten Leinwänden
Skizzen auf dem Cafétisch

Leitfragen

Einordnung

Eine kunsthistorische Studie zur Münchner Avantgarde zwischen 1957 und 1965, die Manifeste, Prozessakten und Biographien zusammenführt – und die Gruppe SPUR als Vorläuferin der späteren Kollektive lesbar macht.

Über den Autor

Richard Hörner hat in Tübingen, Mainz und Frankfurt am Main Philosophie, Kunstgeschichte, Soziologie und Jura studiert – vier Fächer, im Rückblick ein einziges Thema: wie Menschen sich Bilder von der Welt machen, und worauf diese Bilder stehen. Zuletzt erschienen von ihm im Poolsing Verlag Angst. Zwang. Sanierungsfall Seele, Imaginäre Menschenrechte und Grundblindheit.

„Letztlich kann man aber wohl doch sagen, dass die Gruppe ‚für den Aufbruch in den Anfängen der 60er Jahre‘ stehen kann: Das neue Lebensgefühl der Blumenkinder jener Zeit, der Haschrebellen, der Gammler usw. ist hier bereits vorgezeichnet.“ – Aus den Schlussbemerkungen

Zum Essay der Depesche: „Revolution durch Kitsch und Gaudi“ →


Buchangaben
Softcover · 100 Seiten · Poolsing Verlag · erschienen am 01.01.2014
ISBN 978-3-938846-28-5 · 9,90 €