Buch · Poolsing Verlag

Grundblindheit. Der verkannte Grund. Eine Ontologie im Zeitalter des inflationären Realismus

Grundblindheit. Der verkannte Grund. Eine Ontologie im Zeitalter des inflationären Realismus

Wir sehen den Grund mit jedem Blick – warum erkennen wir ihn nie?

Was, wenn die vertraute Diagnose falsch herum steht – wenn unsere Zeit nicht am Verlust des Wirklichen leidet, sondern an seinem Überfluss? Dieses Buch nennt das den inflationären Realismus: Lauter gelieferte Bilder geben sich für die Welt aus, und die Kopie tritt fraglos an die Stelle dessen, was trägt.

Das Übersehene bekommt einen Namen: der Grund – das, worauf wir stehen, und das, woraus wir kommen. Wir erkennen ihn nie als Grund – nicht, weil er verborgen wäre, sondern weil wir selbst aus ihm bestehen: Der Blick, der ihn suchen soll, ist aus ihm gemacht. Manchmal aber, für einen Atemzug, verrutscht die Maske, die Musik wird dünn – und wir ahnen, dass hinter den bemalten Dingen etwas steht, das wir die ganze Zeit übersehen haben, gerade weil wir hingesehen haben.

Konkret wird die Diagnose im fünften Kapitel, mitten in den Debatten dieses Sommers: Der Streit um die Familie vergisst, wozu sie da ist. Die Bildung vergisst, wofür sie bildet. Die Flucht-Debatte zählt Ströme – „Ströme fliehen nicht; es fliehen Einzelne, in großer Zahl." Der Frieden vergisst, was Krieg ist. Sieben Felder, von der Familie bis zum Streit ums Leben – und in keinem ergreift das Buch Partei; es legt frei, was allen Lagern gemeinsam verloren gegangen ist.

Keine Lehre, kein Trostbuch, keine Anleitung – eine Ontologie für die Gegenwart, geschrieben mit eigenem Begriffsapparat und dem einen Ziel: dass etwas trägt, wenn die Musik einmal aussetzt.

Eine Seifenblase über dem Garten
Der Morgen nach dem Karneval
Die Werkstatt, die nie schließt
Ein Tisch mit einem freien Platz

Leitfragen

Einordnung

Das ontologische Grundlagenwerk des Autors – jene Begriffswelt, aus der auch Imaginäre Menschenrechte schöpft, hier erstmals in ganzer Breite entfaltet. Behutsam im Ton, radikal in der Konsequenz.

Über den Autor

Richard Hörner hat in Tübingen, Mainz und Frankfurt am Main Philosophie, Kunstgeschichte, Soziologie und Jura studiert – vier Fächer, im Rückblick ein einziges Thema: wie Menschen sich Bilder von der Welt machen, und worauf diese Bilder stehen. Zuletzt erschienen von ihm im Poolsing Verlag Angst. Zwang. Sanierungsfall Seele und Imaginäre Menschenrechte.

„Der Tod ist kein Sturz ins Nichts und kein zu lüftendes, fremdes Geheimnis; denn der Grund, in den das Hiersein sich entkrümmt, ist nicht das Unbekannte, sondern das stets Gesehene. Wir entkrümmen ins Vertraute; zwar nicht Erkannte, aber Gesehene, daher Vertraute.“


Buchangaben
Softcover · 184 Seiten · Poolsing Verlag · erschienen am 25.07.2026
ISBN 978-3-938846-91-9 · 21,90 € (D) / 22,60 € (A)
E-Book: ISBN 978-3-938846-92-6 · 11,99 €

ISBN 978-3-938846-91-9