Buch · Poolsing Verlag
Imaginäre Menschenrechte. Phaenon, Grund und Lebenskapsel. Eine Neubegründung

Die Mächtigen fürchten keinen langen Menschenrechts-Katalog. Sie lieben ihn.
Eine Notaufnahme ohne Triage: Der Herzinfarkt zieht dieselbe Wartenummer wie der Schnupfen. So verwalten wir die Menschenrechte – das Folterverbot steht im selben Katalog wie das Recht auf bezahlten Urlaub, gleichrangig. Je länger die Liste, desto schwächer ihr Schutz; und wer von der Überforderung profitiert, hat keinen Anlass, sie zu beenden.
Denn Menschenrechte leben nicht in Genf und nicht auf Papier. Sie leben – oder sterben – im Inneren des Einzelnen, in jenem Raum, den das Buch das Interio nennt: dort, wo ein Mensch morgens am Küchentisch sitzt und für wahr hält, was ihm geliefert wurde. Genau dorthin zielt die suggestive Architektur aus Deklarationen, Institutionen und Medien: Sie nimmt dem Einzelnen das Urteilen ab, statt es zu stärken – und ein Recht, über das niemand mehr selbst urteilt, ist halb verloren, ehe es verletzt wird.
Dagegen setzt Richard Hörner eine radikal andere Begründung: Der Mensch ist eine fragile, zeitlich begrenzte, bewusste Lebenskapsel – verletzbar, deformierbar, zerstörbar. Daraus erwächst das Recht auf Hiersein, das keiner Setzung bedarf; die klassische Würde-Herleitung mit ihrer verborgenen Zirkularität wird geprüft und neu gelesen. Aus der Begründung folgt das Kriterium, aus dem Kriterium die Scheidung des harten Kerns von jenen Artikeln, die Wünsche verwalten statt Leben zu schützen: vierzehn Kernrechte statt dreißig Artikel – eine Unterscheidung, die die Menschenrechte nicht schwächt, sondern rettet.




Leitfragen
- Wo leben Menschenrechte – und wo sterben sie zuerst: in den Konventionen oder im Interio des Einzelnen?
- Was macht den Menschen so beschaffen, dass Schutz notwendig wird – vor jedem Gesetz, vor jeder Konvention?
- Warum trägt die klassische Würde-Herleitung einen Zirkel in sich – und was setzt das „Recht auf Hiersein" an ihre Stelle?
- Wann wird ein Menschenrecht imaginär – und warum rettet der harte Kern, was die lange Liste verspielt?
Einordnung
Eine ontologische Neubegründung der Menschenrechte – jenseits von Naturrecht und Konventionalismus, geschrieben nicht gegen die Menschenrechte, sondern für sie. Streitbar in der These, behutsam in der Durchführung.
Über den Autor
Richard Hörner hat in Tübingen, Mainz und Frankfurt am Main Philosophie, Kunstgeschichte, Soziologie und Jura studiert – vier Fächer, im Rückblick ein einziges Thema: wie Menschen sich Bilder von der Welt machen, und worauf diese Bilder stehen. Zuletzt erschienen von ihm im Poolsing Verlag Angst. Zwang. Sanierungsfall Seele und Grundblindheit.
„Der Mensch ist keine soziale Rolle und kein moralisches Konstrukt, sondern eine fragile, bewusste Lebenskapsel im Hiersein – verletzbar, deformierbar, zerstörbar. Gerade daraus erwächst der Anspruch auf Schutz.“
Buchangaben
Softcover · 204 Seiten · Poolsing Verlag · erschienen am 04.04.2026
ISBN 978-3-938846-70-4 · 19,90 € (D) / 20,50 € (A)
E-Book: ISBN 978-3-938846-71-1 · 9,99 €
ISBN 978-3-938846-71-1