Buch · Poolsing Verlag

Karl Jaspers, die Schuldfrage und heutige Perspektiven

Karl Jaspers, die Schuldfrage und heutige Perspektiven

Kriminell, politisch, moralisch, metaphysisch: Warum Jaspers’ vier Begriffe der Schuld 1946 den Nebel der Kollektivschuld auflösten – und heute vor Klimakrise und Kolonialerbe wieder gebraucht werden.

Karl Jaspers’ Schrift „Die Schuldfrage“ von 1946 ist mehr als ein Dokument der Nachkriegszeit. Geschrieben im Schatten von Vernichtungskrieg, Shoah und staatlichem Zusammenbruch, unterscheidet sie vier Begriffe von Schuld – kriminelle, politische, moralische und metaphysische – und schützt damit den Einzelnen vor der „Rohheit des Denkens“, die Menschen nur als Teil eines Kollektivs verurteilt.

Das Buch setzt diese Typologie in Bezug zu Jaspers’ Existenzphilosophie und prüft kritisch, was die Begriffe leisten – auch gegen die Positionen von Hannah Arendt und Günther Anders. Es fragt, ob Jaspers’ Argumentation der echten Aufarbeitung diente oder einer subtilen Entlastung der deutschen Gesellschaft, und benennt, was er ausließ: die Unterlassung als Delikt und die Frage, was ein Bürger wissen kann und wissen muss.

Zuletzt wird die Schulddebatte in die Gegenwart geführt: auf die Verschiebung von Schuld zu gestufter Verantwortung, auf postkoloniale Debatten und auf die Klimakrise. Die neue, aktualisierte und überarbeitete Ausgabe 2026 ergänzt ein Kapitel zu Jaspers’ Existenzphilosophie, einen Exkurs zu Arendt und Anders sowie neu konzipierte Kapitel zu Rezeption und Aktualität.

Ein Hörsaal in Heidelberg, 1946
Vier Steine auf dem Tisch
Die alte Brücke am Morgen
Ein Brief auf dem Schreibtisch

Leitfragen

Einordnung

Eine essayistische, zugleich wissenschaftlich informierte Auseinandersetzung mit Jaspers’ Schuldbegriff – von 1946 bis zu den Verantwortungsdebatten der Gegenwart.

Über den Autor

Richard Hörner hat in Tübingen, Mainz und Frankfurt am Main Philosophie, Kunstgeschichte, Soziologie und Jura studiert – vier Fächer, im Rückblick ein einziges Thema: wie Menschen sich Bilder von der Welt machen, und worauf diese Bilder stehen. Zuletzt erschienen von ihm im Poolsing Verlag Angst. Zwang. Sanierungsfall Seele, Imaginäre Menschenrechte und Grundblindheit.

„Seine Differenzierung von krimineller, politischer, moralischer und metaphysischer Schuld ist nicht nur der Versuch, die deutsche Situation nach 1945 begrifflich zu ordnen; sie legt eine Struktur frei, in der sich generell das Verhältnis von Individuum und Kollektiv, Recht und Moral, historischer Faktizität und existenzieller Selbstprüfung spiegelt.“ – Aus den Schlussbemerkungen

Zum Essay der Depesche: „Schuld ist nicht gleich Schuld“ →


Buchangaben
Softcover · 148 Seiten · Poolsing Verlag · erschienen am 16.03.2026 (neue, aktualisierte und überarbeitete Auflage)
ISBN 978-3-938846-36-0 · 16,90 €
E-Book: ISBN 978-3-938846-37-7 · 9,99 €