Buch · Poolsing Verlag

Papst Franziskus gegen den Mythos des Sisyphos?

Papst Franziskus gegen den Mythos des Sisyphos?

„Diese Wirtschaft tötet.“ – Warum die Verteidiger des Kapitalismus so heftig auf einen Papst reagierten, der nicht das System angriff, sondern eine Haltung.

Als Papst Franziskus im ersten Jahr seines Pontifikats mit dem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ auftrat, galt er plötzlich als Kapitalismuskritiker, der den westlichen Ländern die Leviten liest: ein „Nein“ zu einer Wirtschaft der Ausschließung, Sätze wie „Diese Wirtschaft tötet“ oder „Das Geld muss dienen und nicht regieren“. Die Reaktionen waren harsch – wochenlanger Aufruhr und die Rede vom „Kommunisten Franziskus“, vor allem aus der Wirtschaft und aus konservativen Kreisen.

Das Buch fragt, woher diese Heftigkeit rührt. Liegt sie an dem Missverständnis, jeder Anschein gemeinschaftsschädigender Wirkungen müsse abgewehrt werden, weil er das System zersetzen könnte? Oder, tiefer, an einer Haltungsethik, die im Laufe der Kapitalismusgeschichte übernommen wurde und von den meisten Menschen unhinterfragt als selbstverständlich gilt?

An dieser Stelle rückt Albert Camus in den Blick: sein Sisyphos, der das Spannungsverhältnis zwischen Sinn des Lebens und Sinnlosigkeit des eigenen Tuns annimmt und sich dadurch Freiheit sichern soll. Als Grundausdruck einer Haltungsethik im Kapitalismus gelesen, erweist sich diese Lebensperspektive als illusionär – die Hoffnung auf individuelle Freiheit wird nicht erreicht. Franziskus’ Kritik zielt dann nicht auf ein Detail in diesem oder jenem Land, sondern auf Lebensperspektiven, die ein System stützen, das auf Ausbeutung, Konsumgier und Sinnlosigkeit bei scheinbarer Freiheit setzt. Oder verstehen wir den Papst falsch?

Ein fröhlicher Sisyphos im Morgenlicht
Ein Marktplatz im Süden
Eine offene Kirchentür
Brot und Blume auf der Waage

Leitfragen

Einordnung

Eine philosophische Untersuchung zwischen päpstlichem Lehrschreiben und Camus’ „Mythos von Sisyphos“, geschrieben 2014 im Aufruhr um „Evangelii Gaudium“ – und in der Sache aktuell geblieben.

Über den Autor

Richard Hörner hat in Tübingen, Mainz und Frankfurt am Main Philosophie, Kunstgeschichte, Soziologie und Jura studiert – vier Fächer, im Rückblick ein einziges Thema: wie Menschen sich Bilder von der Welt machen, und worauf diese Bilder stehen. Zuletzt erschienen von ihm im Poolsing Verlag Angst. Zwang. Sanierungsfall Seele, Imaginäre Menschenrechte und Grundblindheit.

„Ist der Widerspruch, dass der Mensch nach einem Sinn in seinem Leben fragt, diesen Sinn aber niemals wird erkennen können, wirklich richtig?“ – Aus den Schlussbemerkungen

Zum Essay der Depesche: „Papst Franziskus vs. Sisyphos“ →


Buchangaben
Softcover · 148 Seiten · Poolsing Verlag · erschienen am 28.07.2014
ISBN 978-3-938846-53-7 · 9,90 €
E-Book: ISBN 978-3-938846-54-4 · 4,99 €